Anatol Musceleanu – Amintiri traduse în limba germană de Gudrun Winkler

Gudrun Winkler

Das Fahrrad

Jeder wünscht sich das Glück. Aber ganz Wenige können sich rühmen es auch wirklich besessen zu haben. Zu der Kategorie derjenigen, die am Glück teigehabt haben, kann auch ich mich in aller Bescheidenheit zählen. Ich muß zugeben, dieses Glück hielt nicht all zu lange, aber die Dauer ist in solchen Fällen nicht ausschlaggebend. Im Sommer des Jahres 1945 befand ich mich in Timisoara/Temeschwar auf dem „Piata Primariei vechi/Platz des Alten Rathauses”- wie man ihn damals nannte. Dieser Platz, heute „Piata Libertatii/Der Platz der Freiheit” genannt, war um die Mittagszeit außerordentlich bevölkert. Von hier aus fuhr die Straßenbahn Nr. 7 zu Mehala. Ebenfalls hier befand sich eine Straßenbahnstation, auf der die Linien 1,2,3 und 6 Halt machten. Die Fußgänger, welche vom Opernplatz kamen, mündeten ebenfalls auf diesen Platz. Einige nahmen die Straßenbahn zur Mehala, andere fuhren zum Piata Unirii/Platz der Einheit, vorbei an einer Kneipe namens „La Tamburasi/Zu den Zupfern”. In dieser Kneipe erklang täglich 24 Stunden lang serbische Volksmusik mit einem Mandolinenorchester, deshalb auch der Name ” tamburasi/Zupfer”. Neben der Straßenbahnstation befand sich ein großer Zeitungsstand, wo eine ältere Deutsche Reklame machte und das klang ungefähr so: „Universul, Curentul, Timpul, Vestul, Temeschwarer Zeituuuuuuug…”Die ersten Titel rief sie monoton, den letzten aber mit einem veränderten, hohen und verlängerten Tonfall. Ich nehme an, daß es noch heute Temeschwarer gibt, welche sich an diese Verkäuferin erinnern, denn sie gehörte sozusagen zum Stadtbild. Gegen Mittag tauchte eine merkwürdige Person auf, welche ihre eigene Zeitung verkaufte. Sie stellte sich neben die Deutsche und rief:”Jetzt kommt Christa mit der Revista….Nehmt die Christa mit der Revista…” Diese Zeitschrift in der Größe eines Schreibbogens war mit dem Sapilograf gedruckt. Sie enthielt die größten Ungereimtheiten (bazaconii ?) und man wußte, daß es Studenten waren, die diese sozusagen umsonst Artikel schrieben, um sich zu unterhalten. Der Preis der Zeitschrift war sehr niedrig und viele Leute kauften sie, um sich zu amüsieren.Auf einer großen Tafel war das Programm derLichtspiel theausgewiesen: CAPITOL Der Weg zu den Sternen THALIA Zoro, der Kavalier der GerechtigkeitCORSO Arizona in FlammenLIRA Stan und Bran als TorreadoreARO Tom MixAPOLLO Pat und Patason im MittelalterURANIA Die Taverne der Leidenschaften Um die Mittagsstunde erreichte das Gedränge seinen Höhepunkt. Neben Rumänen, Deutschen, Serben, Ungarn, Zigeunern und anderen Nationalitäten, waren auch viele im Krieg verwundete Russen zu sehen, welche in eigens für sie hergerichteten Krankenhäusern behandelt wurden. Sie waren mit Hemden und Unterhosen bekleidet, am Kopf verbunden oder mit Gehhilfen, je nachdem wie sie verwundet waren.. Die Leichtverwundeten ruhten sich auf den Bänken oder im Gras des kleinen Parkes am Platz aus. Viele unter ihnen hatten Krücken. Genau zu dieser Zeit befand auch ich mich immer dort, um Maulaffen feil zu halten am Zeitungsstand, den Straßenbahnstation und wer weiß was sonst. Auf einmal – zwischen den Reklamerufen der Deutschen und denen von Christa mit der Revista, zwischen dem Quietschen der Straßenbahnen und den Hintergrundgeräuschen der Zupfer- hörte ich: „Einen halben Liter Tuica, einen halben Liter Tuica….”Mich nähernd, erkannte ich, worum es ging. Dort stand ein ganz junger russischer Soldat in einer funkelnagelneuen Uniform. Er hatte eine sehr sympatische Figur, auf dem Kopf eine einseitig verschobene Mütze, während sich auf der anderen Seite des Kopfes ein Haarbüschel zum Himmel hob, was für ihn scheinbar ein Zeichen von großer Eleganz war. Das runde Gesicht und das breite Lächeln gaben ihm einen Ausdruck von Naivität und Ehrlichkeit.In den Händen trug er ein Fahrrad der Marke IDEAL mit roten Reifen und diese Reifen waren viel größer als die sogenannten „Ballonreifen” bei gewöhnlichen Fahrrädern. Als ich verstand, daß dieses Fahrrad für einen halben Liter Tuica zu haben war, fühlte ich einen Schauer über den Rücken laufen. Das einzige was ich denken konnte war: Hoffentlich kauft mir nicht jemand das Fahrrad vor der Nase weg. Nun ergab sich aber ein anderes Problem. Von wo sollte ich einen halben Liter Tuica besorgen? Wir hatten keinen Tuica zu Hause. Aber neben uns wohnte ein Nachbar, ein Pfarrer, welcher sich täglich mit einem „Dezi” Schnaps den Körper erwärmte.Ich holte von zu Hause eine Halbliterflasche und rannte zur Pfarrerin”Küss die Hand, gnädige Frau, meine Mutter bittet Sie ihr eine Flasche Schnaps zu leihen, der Vater ist nämlich erkältet und sie möchte ihm einen Umschlag machen”. Die nette Frau Pfarrerin füllte die Flasche mit Schnaps und gab sie mir mit den besten Genesungswünschen für meinen Vater mit. Ich bedankte mich und rannte ichmit allen Kräften davon, in der Angst der Russe möge sein Fahrrad inzwischen jemand anderem verkauft haben. Außer Atem erreichte ich den Platz und hatte meine erste Enttäuschung: Der Russe war nicht mehr da. Verärgert wollte ich gerade die Flasche der Pfarrerin zurück bringen. Doch, o Wunder! Der Russe kam gerade von dem „Piata Unirii/Platz der Freiheit” und hatte das Fahrrad bei sich. Ich rannte zu ihm mit der Flasche in der Hand und rief „Tuica…” Der Russe nahm die Flasche, hob sie an, nahm einen großen Schluck und betonte „Harascho”. Dann nahm er das Fahrrad, gab es mir und sagte: „Eto tebea” (Es ist deins)Ohne ein weiteres Wort drehte er mir den Rücken und ging mit seinem Tuica davon, mir das Fahrrad überlassend.Das waren die glücklichsten Momente meines Lebens, von denen ich anfangs sprach. Wenn ich heute in der Lotterie eine Milliarde gewinnen würde, wäre ich nicht einmal halb so glücklich wie damals.Ich befühlte das Fahrrad, versuchte die Klingel aus, kontrollierte den Torpedo und konnte es nicht fassen, ein solches Kleinod zu besitzen. Schließlich brach ich auf, denn das Gedränge gestattete es mir nicht aufzusteigen und ging in Richtung Wohnung. Nach 10 Metern stand plötzlich ein anderer Russe vor mir. Dieser war älter, häßlich und hatte ein Gesicht, welche zum Kotzen war. In den Händen hielt er ein Gewehr und ein Bajonett mit Spitze, welches er mir auf die Brust setzte. „Stoi, davai!”” (Stehenbleiben, Hergeben!). Und ohne weitere Worte entwand er mir das Fahrrad und ging davon. Ich fing an zu schreien und versuchte das Fahrrad zurück zu gewinnen. Ich bekam einen Schlag mit dem Gewehr auf die Brust, daß mir der Atem verging. Mit meinen 13 Jahren war klar, daß ich nicht die geringste Chance in dieser Konfrontation aufweisen konnte. Bis ich mich erholt hatte, war der Russe mit dem Fahrrad verschwunden.. Ich versuchte dann noch den jungen Russen zu finden, aber er war wie vom Erdboden verschluckt.Und so nahmen meine glücklichsten Minuten ihr Ende. Ich zog den Schluß, daß esgute Russen gab, wie der , welcher mir das Fahrrad verkauft hatte und böse Russen, wie der, welcher es mir wieder nahm. Nach einem Jahr sah ich wieder einen Russen, welcher ein Akkordeon der Marke Hohner für einen Liter Tuica verkaufen wollte, aber ich war nicht mehr interessiert. Obwohl es ein gutes Geschäft gewesen wäre. Übersetzung aus dem Rumänischen: Gudrun Winkler –

Der Defekt des Sam

Man sagt, daß Napoleon mehrere Tätigkeiten auf einmal machen konnte. Auch Sam machte Mehreres gleichzeitig , zwar etwas weniger als Napoleon, nämlich zwei Tätigkeiten: Entstörer von Radioapparaten und UTM-Sekretär (UTM- Rumänische Kommunistische Jugendorganisation ) bei der Genossenschaft „Arbeitswunsch”. Die Entstörung eines Radioapparates verlangt viele Kenntnisse, Werkzeuge und Ersatzteile. Instrumente und Ersatzteile fehlten fast gänzlich zu jenen Zeiten. Diese Mängel wurden durch alle möglichen Kunstgriffe ausgeglichen. Man benutzte z.B. russische Lampen, welche durch das Wechseln der Fassungen den alten Apparaten angeglichen wurden. Leider hatte Sam, welcher mit den revolutionären Aktivitäten der jungen Genossenschaftler sehr beschäftigt war, keine besonders guten Fachkenntnisse. Er verdiente sein Geld durch Handel, indem er, speziell Lampen und Batterien, besorgte. Durch die Vermarktung dieser Teil hatte er einen guten Gewinn. Im Lager hatte er einen Freund, Zigu, welcher ihn mit allem Möglichen versorgte. Zigu besaß zu Hause einen großen und schönen Radioapparat der Marke „Telefunken”, welcher sehr gut funktionierte. Eines Tages fragte ihn ein Freund, welcher bei der Post beschäftigt war, ob der Apparat gemeldet und die Gebühren bezahlt wären. Zigu gestand, daß er den Apparat nicht gemeldet und auch kein Abonnement bezahlt habe. Dann fragte er ihn, was denn so passieren könnte.- In diesem Monat wird eine strenge Kontrolle aus Bukarest kommen und hohe Strafen für die nicht Angemeldeten einziehen.Und was soll ich nun tun? Sage, er wäre defekt. Und wenn er kontrolliert wird?- Sprich mit einem Spezialisten, damit er dir einen Kontakt trennt und wenn die Kontrolle vorbei ist, läßt du ihn reparieren und benutzt ihn erneut. So kam es, daß Zigu zu Sam ging, um einen Kontakt trennen zu lassen bis die Kontrolle vorbei war. Natürlich war Sam froh seinem Freund, welcher so viel für ihn tat, helfen zu können. Gewappnet mit einem Werkzeugkoffer kam er zu Zigu, öffnete den Deckel des Gerätes und provozierte einen Defekt. – Jetzt kann jede Kontrolle kommen, alles ist in Ordnung. Der Apparat funktioniert nicht mehr. Zigu bedankte sich bei Sam für den vollzogenen Aufwand. Die Zeit verging und der Freund von der Post verständigte Zigu, daß die Kontrolle vorbei sei und er seinen Apparat wieder ohne Sorge benutzen könne. Sam wurde gerufen, um die gelöste Verbindung wieder zu schließen und den Apparat funktionsgerecht zu machen.Sam kam wieder mit seinem Werkzeugkoffer, öffnete den Deckel, arbeitete ein paar Minuten und sprach dann triumphierend:Fertig,es kann losgehen! Der Apparat wurde in die Steckdose gesteckt und der Knopf gedrückt. Es war aber nichts zu hören. Der Apparat ging nicht an.- Hmmm, der spielt verrückt, sagte Sam. Ich mache das sofort. Er öffnete erneut den Deckel, arbeitete ein paar Minuten, steckte den Stecker ein- aber umsonst. Der Apparat war stur und sprang nicht an. Sam arbeitete noch ein paar Stunden daran, dann resigniert er und sagte zu Zigu: – Bringe ihn in die Werkstatt, ich habe nicht alle erforderlichen Werkzeuge dabei.Am nächsten Tag wurde der Apparat in die Werkstatt gebracht, wo Sam ihm eine Empfangsbescheinigung gab und lächelnd sagte:- Im Moment habe ich keine Zeit mich damit zu beschäftigen weil ich eine Wahlversammlung der UTM vorbereiten muß, aber morgen kannst du ihn abholen. Am zweiten Tag arbeitete Sam viele Stunden am Appararat seines Freundes. Er öffnete eine Menge Bestandteile, kontrolliert sie und klebte sie wieder an Ort und Stelle. Es ist nicht erwiesen, ob er sie genau an die alten Stellen geklebt hat. Da er kein Ergebnis erreichen konnte, bat er einen Kollegen nachzusehen. Dieser öffnete weitere Bestandteile und klebte die Teile fehlerhaft zurück. Wenn Entstörer elektronischer Geräte solche arg malträtierten Apparate sehen, nennen sie sie ” ciorsaite” (?) und lehnen oft eine Reparatur ab. Der Apparat des Zigu wurde mehrmals von seinen Kollegen „ciorsait” , ohne daß sich ein Erfolg eingestellt hätte. Schließlich entnahm der Eigentümer den Apparat aus Sams Werkstatt und brachte ihn zum besten Entstörer der Sadt. Dieser arbeitete wiederum ein paar Stunden daran um schließlich aufzugeben: – Es tut mir leid, aber der Apparat ist derart niedergemacht, daß ich nichts mehr tun kann.Zigu brachte seinen Apparat nach Hause – er funktionierte nie mehr. Trotzdem müssen wir festellen, daß es auch einen Vorteil gab. Die Kontrolleure der Post werden nie mehr die Gelegenheit haben seinen Besitzer zu bestrafen. Seit damals sagte man in den Kreisen der Radiofonisten, wenn man die Ursache eines Fehlers nicht finden konnte:- Er hat den Defekt des Sam. –Anatol Musceleanu

Der Kopf Stalins

 Welch schönen Tage hatten wir in unserer Kindheit! Welch schöne Zeiten! Im Juli 1941 zogen wir nach Chisinau in das Haus einer unserer Verwandten, welche kurz vor Beginn des Krieges nach Sibirien deportiert worden war. Das Haus stand in der Nähe des Bahnhofes und in der Nacht zum 22. Juni wurde es von der Deutschen Flugflotte bombardiert. Eine Bombe fiel auf einen Lagerrraum im Hof und machte ihn zu Staub. Das Haus kam mit gebrochenen Fensterscheiben und Splitterspuren davon. Ein Baum aus dem Hof hatte einen großen in ihn eingedrungenen Splitter, welchen ich mit großen Mühen nach einigen Wochen herausziehen konnte. Die Stadt war fast vollständig von den Bomben zerstört worden, vor allem aber von Bränden. Es war die einzige Stadt in der die Russen ihre Taktik der verbrannten Erde anwandten, indem sie die ganze Stadt anzündeten. Ich lebte mit meiner Großmutter, die Eltern waren verreist.Es war ein sehr schöner Sommer, die Tage waren warm und der Himmel blau. Morgens, nach dem Essen hatte ich die Aufgabe Wasser zu holen. Vor dem Krieg kauften wir das Wasser für den Haushalt von einem Kiosk, genannt „Butca“, in der Straße direkt vor unserem Haus. Man ging mit einem Eimer und zahlte einen Leu. Das Mädchen aus dem Kiosk drehte den Hahn auf um Wasser in den Eimer zu lassen. Danach gab sie als Rest ein Stück Karton, auf welchem ein Eselskopf gedruckt war. Mit diesem Karton bekam man noch einen Eimer Wasser. Lange Zeit habe ich einen solchen Karton aufbewahrt, ohnen daß meine Eltern es wußten, weil es mir gefiel den Eselskopf zu betrachten. Jetzt funktionierte die Wasserfabrik nicht und wir brachten das Wasser von weit her, von einer Quelle welche Mineralwasser enthielt. Diese Quelle, genannt „Borcut“, lag hinter den Bahngeleisen. Ich ging mit meinem Eimer los und nachdem ich die Bahngeleise überquert hatte kam ich an einem von den Bomben zerstörten Benzinbehälter vorbei. Neben dem Behälter war eine Kanonenmine von der Größe einer Bierflasche übrig geblieben. Mein Ehrgeiz bestand sie zum Explodieren zu bringen. Ich machte mir einen Plan. Ich werfe sie mit der Spitze nach vorne und während der Zeit in welcher sie sich in der Luft befindet, verstecke ich mich hinter dem Behälter. Aber zu dem Behälter hin, gelang es mir nur einen seitlichen Schritt zu tun. Ich wiederholte diese Prozedur 10 – 20 mal bis ich mich langweilte. Danach nahm ich meinen Eimer und ging verärgert weiter, weil es mir nicht gelungen war. Bei der Quelle „Borcut“ angekommen, stellte ich mich in die 200-300 köpfige Menschenschlange welche gekommen waren um sich zu versorgen. Zum Glück war die Wassermenge der Quelle groß und ich stand nicht länger als eine halbe Stunde. Das Wasser der Mineralquelle war von schlechtem Geschmack und roch nach faulen Eiern. Alle Leute prahlten damit sich an das Wasser gewöhnt zu haben und daß es gut gegen alle möglichen Krankheiten sei. Ich konnte mich nicht daran gewöhnen und trank das Wasser mit Ekel aus Not. Nachdem ich meinen Eimer gefüllt habe, ging ich meinen Weg in umgekehrter Richtung, natürlich mit dem gewohnten Aufenthalt bei dem Projektil, welches ich zum Explodieren bringen wollte. Mit dem Wasser zu Hause angekommen, war meine tägliche Mission erfüllt und ich bekam die Erlaubnis von meiner Großmutter zum Strandbad Bivol zum Baden zu gehen. Dies war ein großes Strandbad, vollkommen betoniert, gefüllt mit dem „Borcut“-Quellwasser, welches jeden Tag gewechselt wurde. Es waren Boote da, Umkleidekabinen und zwei Sprungbretter. Leider war es damals ohne Besitzer, seinem Schicksal überlassen. Langsam, langsam wurden die Boote, die Kabinen und der Zaun gestohlen.. Auf einer Seite des Strandbades hatten deutsche Soldaten einen Feuerwehrwagen installiert, welcher Wasser aus dem Strandbad nahm und sie wuschen ihre Lastwagen mit einem Schlauch. Die Kinder näherten sich ihnen und dann richtete der Soldat, welcher den Schlauch bediente, den kräftigen Strahl auf sie und sie fielen zu Boden. Es war für die Kinder ein begehrtes Spiel und auch ich ging des öfteren dorthin um von dem kräftigen Strahl zu Boden gerissen zu werden. Auch der Weg zum Strand führte an dem Behälter und dem Kanonenprojektil vorbei, an welchem ich immer stehen blieb um meine Versuche zu starten. Am Strand angekommen, kam es zum Problem mit den Kleidern. In den ersten Tagen tat ich sie in eine der Kabinen, nachdem diese aber nicht beaufsichtigt waren, mußte ich die ganze Zeit meine Augen dort haben. Aus diesem Grunde hatte ich keine Muße zum Baden. Meine Kleider bestanden aus drei Stücken. Ein Paar kurze Hosen, genäht aus einem alten Anzug meines Vaters, ein Hemd und ein Paar Unterhosen. Das war alles , ohne Schuhe, ohne Mütze oder anderes Zubehör. Aus den Hosen und dem Hemd drehte ich ein Knäuel und versteckte es wo ich konnte bis ich eines Tages eine ideales Versteck gefunden hatte. In der Zeit der sowjetischen Okkupation zwischen 1940-1941, hatten die Russen den Besitzer des Strandbades nach Sibirien deportiert und hatten am Eingang des Strandes die Statue des geliebten Vaters der Völker I.V.Stalin errichtet. Nach der Befreiuung Bessarabiens im Jahre 1941 wurde die Statue in der Luft zerstört. In der Zeit in der das Erzählte stattfindet, waren die Reste dieser Statue an allen möglichen Stellen verteilt. Der Kopf des geliebten Väterchens der Völker ruhte irgendwo im Gras, der Schnurrbart fest im Boden vergraben. Als ich diesen Kopf aufmerksam untersucht hatte, stellte ich fest, daß er innen hohl war. Mit einigem Kraftaufwand, genau dort wo sich das Gehirn des Väterchens befunden hätte, gelang es mir mein Kleiderknäuel zu verstecken. Von diesem Augenblick an konnte ich beruhigt schwimmen, vom Sprungbrett springen und zu den Deutschen mit dem Wasserschlauch gehen. Später, wenn mich der Hunger übermannte, zog ich meine Kleider aus Stalins Kopf und ging nach Hause, nicht ohne Aufenthalt beim Behälter und dem Projektil, wo ich meine Versuche ernsthaft wiederholte. Welch schöne Zeiten! Übersetzung aus dem Rumänischen: Gudrun Winkler

Die Ohrringe

Auf dem Firmenschild stand groß : „Reparaturen von Radios”. Trotz allem lasen die Leute das nicht und belästigten uns mit allen möglichen Fragen folgender Art: Reparieren Sie Schirme, Uhren, Scheren und vieles andere. Eines Abends betraten zwei Mädchen den Laden. Eine von ihnen fragte allen Ernstes:- Reparieren Sie Ohrringe?Ich hatte es satt allen zu sagen, daß wir nur das, was auf dem Firmenschild steht, reparieren und fragte:- Sind sie aus Gold? Wissen Sie, wir reparieren keine Objekte aus Gold.- Nein, sie sind nicht aus Gold.- Dann zeigen Sie mir bitte wovon die Rede ist.Das Mädchen zog ein Paar silberfarbene Ohrringe zum Vorschein. Ohne sie richtig zu betrachten warf ich sie in eine Lade und sagte kurz:- Kommen Sie morgen.Am nächsten Tag gegen Abend kamen sie um nach ihren Ohrringen zu sehen.- Wir haben momentan kein „Prefenandez”, sagte ich zu ihnen. Kommen Sie nächste Woche, uns wurde eine Lieferung von Prefenandez versprochen.In der folgenden Woche sagte ich zu ihnen:- Wir brauchen „Fosfotix”. Versuchen Sie es in der nächsten Woche.In der folgenden Woche war ich nicht da, so daß sie meinen Kollegen Beni fragten, welcher im Atelier war.- Ja, ich kenne das Problem, sagte er, aber wir haben momentan kein „Oroplexan”. Es tut mir leid, aber das ist die Situation. Uns wurde es für nächste Woche versprochen.Mit der Zeit gewöhnten wir uns an die Mädchen. Sie kamen wöchentlich in dem Glauben, daß wir die benötigten Materialien bekommen hätten und sie mit den reparierten Ohrringen noch schöner aussehen würden..Mit meinen Kollegen Sandu und Beni überboten wir uns im Erfinden neuer Substanzen, welche für die Reparatur der Ohrringe notwendig wären. Eines Abends überraschten mich die beiden Mädchen wieder, welche um die Ohrringe gekommen waren. Eben wollte ich ihnen sagen, daß sie ein andermal kommen sollten,weil uns…….fehlt. Aber mein Kopf hatte plötzlich keine Ideen mehr. Ich sah sie entgeistert an und zermarterte mein Hirn nach dem Namen einer angeblich noch fehlenden Substanz. Alles was mir einfiel, hatte ich bereits gesagt. Da ich nichts mehr finden konnte, faßte ich einen Entschluß. Ich kramte in der Schublade und fand endlich nach vielen Mühen die besagten Ohrringe. Als ich sie genau betrachtet hatte, merkte ich, daß sie aus versilbertem Messing bestanden. Sie hatten ein dünnes Röhrchen, welches durch das Ohrloch gezogen und am anderen Ende mit einer Schraube festgemacht werden konnte. Das Gewinde des Röhrchens war ausgewetzt und die Schraube fiel ab. Ich versuchte das Röhrchen zu weiten in der Hoffnung, daß sich die Schraube festsetzen ließe. Es gelang mir nicht. Dann tat ich die Ohrringe dem Mädchen in die Ohren und klebte die Schraube mit Zinn fest. Es ist wahr, ich habe sie ein bißchen mit dem Lötkolben verbrannt, aber was duldet das schöne Geschlecht nicht alles um seiner Schönheit willen. Um die Wärme doch etwas abzulenken, schützte ich das Ohr mit einem Kochtopf, welchen mein Kollege Sandu zu Herstellen der verschiedenster Speisen, in denen er Spezialist war, benutzte.- Was kostet die Reparatur? Fragte mich das Mädchen.- Prüfe erst, ob es hält.Sie zog und antwortete:- Es hält.- Dann kostet es 5 Lei. Nachdem ich das Geld bekommen hatte dankte ich ihr und sagte ihr, falls sie noch kaputte Ohrringe haben sollte, könne sie sich vertrauensvoll an uns wenden. Aber nur unter einer Bedingung: Sie dürfen nicht aus Gold sein.

Denke an Zoja Kosmodemjanskaja !

Nach der erfolgreichen Aufnahmeprüfung folgten schwere Tage für die frischgebackenen Studenten. Ihre Situation läßt sich mit der von Schülern einer ersten Klasse vergleichen oder mit der von Rekruten beim Armeedienst. Auf der einen Seite war der Stolz nun Student zu sein, auf der anderen Seite war die Angst und die Unruhe hervorgerufen durch die ungewohnten neuen Lebensumstände. Viele, die nicht aus der Stadt waren, entkamen nun der Aufsicht ihrer Eltern und schienen verwirrt über die all zu große Freiheit, die plötzlich auf sie hereinstürzte. Während der Gymnasialzeit hatten sie sich angepaßt. Sie kannten alle Gewohnheiten und Besonderheiten ihrer Lehrer. Sie hatten gelernt sich Vorteile zu verschaffen, sich zu benehmen, denn die „Braven” und diejenigen welche die Finger hoben um zu zeigen, daß sie vorbereitet waren, wurden anerkannt. Jetzt interessierte es niemanden mehr ob sie „brav” waren und die Gewohnheit den Arm zu heben gab es nicht mehr. Es kamen neue und verwirrende Begriffe auf, wie Kolloqium, Vorlesung, Seminar, Nachprüfung, Projekt usw. Sie hatten keinen Klassenraum mehr wie im Gymnasium und sie wurden durch Vorlesungssäle (Amphitheatern), Seminarräume und Laboratorien gejagt. Auch Lehrbücher hatten sie keine mehr zum Lernen. Die von den Professoren empfohlene Bibliografie ähnelte nicht dem Inhalt Vorlesung. Deshalb schrieben einige dieser trotteligen Anfänger ihre Vorlesungsunterlagen „ins Reine”, zur Belustigung der Studenten höherer Studienjahre, welche vergessen hatten, daß sie es dazumal auch so gemacht hatten. In diesem Stadium eines Trottels befand ich mich auch im Herbst 1954. Sogar einige Wochen nach Beginn des Studiums hatte dieses Deroutierung noch nicht aufgehört. Die Aufteilung in Seminargruppen, die Aufteilung in die Zimmer des Studentenheimes, die Aufteilung in der Mensa, der sich 2-3 mal in der Woche ändernde Stundenplan, der Umstand, daß die Vorlesungen in drei Gebäudekomplexen stattfanden, verwirrte uns. Als Höhepunkt wurde dann noch eine große UMT- Wahlversammlung anberaumt. (UMT- damalige Rumänische Kommunistische Jugendorganisation). Es wurden „Maßnahmen” gegen Abwesende angedroht. Niemand wußte, was das für Maßnahmen sein sollten, aber gerade diese Zweideutigkeit vergrößerte unsere Angst. Deshalb war dann auch an dem angekündigten Tag das Amphitheater, in welchem die Versammlung stattfinden sollte, voll mit diesen trotteligen Anfängern. Ein Parteiaktivist, Genoss N., leitete die Sitzung. Nach einer kurzen politischen Information holte er aus seiner Rocktasche eine Liste mit Vorschlägen für das Präsidium hervor, verlas sie und fragte dann: „Wer ist dagegen?” Natürlich traute sich niemand dagegen zu sein und er fuhr fort: ” Somit ist das Präsidium einstimmig gewählt.” Dann schlug er die Genossin C. als UTM-Sekretärin vor. „Die Genossin hat viel Erfahrung in der politischen Arbeit. Ihr Vater ist Parteisekretär bei der regionalen Eisenbahn. Sie ist den hohen Idealen des Kommunismus bedingungslos ergeben, voller revolutionärem Elan, unversöhnlich gegen die Feinde des Sozialismus , unnachgiebig im Kampf gegen den Kosmopolitismus und gegen die bürgerliche Ideologie. Danach setzte er in demselben Stil weiter fort, so daß man denken konnte, die Genossin C. wäre die direkte Nachfahrin der Dolores Ibarruri apassionaria. „Wer ist dagegen? Es war niemand dagegen und er fuhr fort: „Wir bitten die Genossin C. ins Präsidium zu kommen.! Die Nachfahrin von Dolores Ibarruri erwies sich als ein unscheinbares Mädchen mit einem schlampigen Gang, welches sich aber entschlossen zu Präsidium begab. Das Haar glatt zurückgekämmt, ein starrer Blick und ein unbewegliches Gesicht enthoben sie jeder Spur weiblichen Reizes. Ihre Bekleidung war auf „Punkte” gekauft und hing an ihr wie an einem Kleiderständer. Im Präsidium angekommen, nahm sie einen Zettel aus der Tasche, ein Beweis dafür, daß sie von ihrer Wahl gewußt hatte, und hielt eine Diskurs mit einer gewöhnlichen hölzernern Stimme, wobei sie die Liebe zur Sowjetunion , den Kampf gegen den Henker Tito und die Gründung einer neuen, der Partei vollkommen ergebenen, Jugend durcheinander brachte. Abschließend verkündete sie: „Unsere Organisation wird den Kosmopolitismus und alle bürgerlichen Manifestationen entschieden bekämpfen”. In den folgenden Tagen bewies die Genossin C. , daß sie alle in der Wahlversammlung erhobenen Behauptungen in die Tat umsetzen werde. Ihre ersten Opfer waren einige Jungs, welche enge Hosen mit breiten Manschetten trugen. Eine Mode benannt nach einem damaligen Jazz-Sänger, namens Malagamba. Die sogenannten „Malagambisten” wurden gejagt und öffentlich zur Diskussion der Organisation gestellt bzw zur eigenen Diskussion der Genossin C. Bei der Feststellung der Breite der Hosen wurde schließlich ein Limit gesetzt. Derjenige welcher eine Hose enger als 22 cm an hatte, war ein Malagambist. „Wir werden keine bürgerlichen Manifestationen zulassen” wiederholte sie. Unter diesen „wir” verstand sie ein paar Aktivisten und vor allem sich selbst. Ihr Vorbild war Ana Pauker, welche zwar schon abgedankt, Spuren hinterlassen hatte. Sie hatte nicht den geringsten Sinn für Humor, es störte sie jede Art von Spaß, die Jazzmusik, es verärgerte sie hübsch angezogene Mädchen zu sehen. All das waren für sie bürgerliche Manifestationen. Ihre Motivation lautete: Während in den Betrieben und auf den Baustellen die Jugend den Sozialismus nach dem Vorbild der Komsomolisten aufbaut, bereiten sich die sog. „Malagambisten” nicht darauf vor. Nach einer gewissen Zeit wurde eine Schießübung angekündigt, im Rahmen der Vorbereitung der Jugend auf die Verteidigung des Sozialismus. Und somit wurden, an einem Sonntag Morgen, alle Studenten des ersten Studienjahres auf einen improvisierten Schießplatz in den nahe gelegenen Jagdwald beordert. Jeder bekam drei Patronen, mit – welchen er auf ein 100 m entferntes Ziel schießen sollte. Die Gewehre, mit denen wir unsere Schießübung machen sollten, waren russische Rostrohre. Auf einem von ihnen stand das Herstellungsdatum: 1898. Mit diesen Gewehren hatten die Russen bereits im Russisch-Japanischen Krieg gekämpft, dann im Ersten Weltkrieg, während der Revolution 1917 und im Zweiten Weltkrieg. Anstatt diese Gewehre zu einzuschmelzen oder an irgendwelche Museen zu geben, waren sie den Rumänen für Weizen und Erdöl im Rahmen der Bruderschaftshilfe verkauft worden. Aber die Genossin C. war da anderer Meinung: ” Wir haben die Freude sowjetische Technik kennen zu lernen, die fortschrittlichste der Welt” verkündete sie vor dem Beginn der Schießübung. An der Schießübung beteiligten sich auch einige Mädchen. Einige konnten wir von diesem Vorhaben heimlich verschonen, indem wir an ihrer Stelle schossen. Ein junger Offizier, welcher die Übung beaufsichtigte, tat als sähe er das nicht. Eines der Mädchen hatte das Pech neben der Genossin C. zu stehen. Bei jedem Schuß fuhr sie zusammen und erschrak. Wir versuchten sie zu schützen, aber die Genossin C. passte auf. Sie kam persönlich um zu sehen, wie sich unsere Kollegin anstellt. Das arme Mädchen wurde blass vor Angst. Zitternd sagte sie, daß sie keinen Mut hätte zu schießen. ” Das kommt gar nicht in Frage” beschloß Genossin C. Sich auf eine Plane legend, nahm unsere Kollegin das Gewehr und versuchte es an die Schulter zu legen. Es gelang ihr nicht, sie bekam feuchte Augen. „So mußt du das machen” ermahnte sie Genossin C. und legte ihr das Gewehr an die Schulter und den Finger auf den Auslöser. „Schieß!” schrie sie aufgebracht. „Ich kann nicht, ich habe Angst!” „Denke an Zoja Kosmodemjanskaja und schieß! ” brüllte sie. Niemand weiß an was oder wen oder ob das Mädchen überhaupt gedacht hatte, es schloß die Augen und schoß. Der Knall erschreckte es furchtbar und der Rückstoß prellte ihm die Schulter. Außer den Augen haben sich sicher auch noch andere Organe des Mädchens befeuchtet. Aber die Genossin C. war zufrieden: Nach dem Vorbild Zojas Kosmodemjanskajas, mit Hilfe der sowjetischen Waffen werden die Temeschwarer Studenten den Sozialismus gegen die Machenschaften der Imperialisten zu verteidigen wissen.

Die Prinzessin

Immer schon war ich von Prinzessinnen fasziniert. Wahrscheinlich schulde ich dies den Märchen meiner Kindheit, in denen die Prinzessinnen immer schön und gut waren. Diese Vorstellung wurde noch erhärtet als ich den Film Pinockio sah, in welchem die gute Prinzessin den armen Jungen einige Male aus den Klauen des Bösen gerettet hat. Diesen Kinostreifen habe ich mehrere Male gesehen und in meiner Kindheit fand ich ihn als den besten Film, welcher jemals gedreht worden war. Und plötzlich tat sich mir die Möglichkeit auf, eine echte Prinzessin zu sehen. Im Jahre 1952 arbeitete ich auf einer Baustelle „Electro-Montaj” in Constanta. Ich nahm teil an der Herstellung der elektrischen Leitung von 35 KiloVolt (KV) zwischen Constanta und Mangalia und an vielem anderem mehr. Wir machten auch viele Arbeiten für den Donau-Schwarzmeer-Kanal. Für die Leitungen von 6 KV hatten wir keine Projekte. Der Chefingenieur zeigte mir einfach von wo und bis wohin die Leitungen führen sollten und ich zog sie mit Hilfe von (jaloane?) und 50-Meter-Rollen aus. Eines Tages begegnete ich dem Chefingenieur im Büro meiner Baustelle. Ein Wagen, genannt „Scodita” von militärischem Aussehen, welcher auf der Wagentür das Siegel der „Electro-Montaj”, nämlich ein EM durchzogen von einem Pfeil in Zick-Zackform,trug, wartete draußen. – Komm mit , daß ich dir zeigen kann, wo du die Leitung entlang ziehen und eine „mustata” von 35 KV erstellen sollst. Wir fuhren mit der „Scodita” aus Megidia, wo wir eine gemeinsame Baustelle mit dem Chefingenieur hatten, los. Unter den damals gängigen Ausdrücken verstand man unter einer „mustata” eine kurze Umleitung mit einigen Masten zur Versorgung einer Transformatoren-Station. Ohne nach weiteren Einzelheiten zu fragen, stieg ich in die „Scodita” und fuhr mit ihm weg. Als wir Megidia verließen, prangten entlang der Straße eine Menge Losungen, von denen sich eine, mit einer Länge von ungefähr 200 Metern und einer Höhe von ein paar Metern, mit folgendem Inhalt besonders hervorhob: JEDER SCHAUFELSTICH ERDE – EIN SCHLAG AUF DEN KOPF TITOS. Nachdem wir die Gemeinde Mircea-Voda verlassen hatten, kamen wir in den sogenannten Gürtel. Das hieß, daß wir auf einer Strecke von ungefähr 10 Kilometern zwischen Strafgefangenen hindurch fahren mußten. Bei der Einmündung der Straße in diesen Gürtel mußten wir unsere Ausweise zeigen, erst dann konnten wir in das Lager. Wir durften weder stehen bleiben, noch irgendeine Verbindung mit den dort Beschäftigten aufnehmen. Es waren Zehntausende und sie hatten verschiede Arbeiten zu verrichten. Außen, um den Gürtel herum , standen bewaffnete Militärs der Staatssicherheit mit Maschinengewehren und überall gab es Tafeln, auf denen stand: NICHT DEM GÜRTEL NÄHERN – WIR SCHIEßEN OHNE VORWARNUNG. Nachdem wir aus dem Gürtel heraus gekommen waren, fuhren wir noch ein paar Kilometer bis der Chefingenieur dem Fahrer sagte, er möge anhalten. Wir stiegen aus und gingen zu Fuß weiter. – Sieh mal, hier haben wir eine Transformatoren – Station von 35/0,4 und dort ist die Leitung von 35 KV. Du mußt die Verbindungsleitung zu dieser Station legen. Diese Arbeit ist dringend, ich erwarte, daß du in ein paar Tagen fertig bist. Wir kehrten zu unserem Standort zurück und der Chefingenieur überließ mich dem Büro. Die Transformatoren – Station war im Inneren des Lagers, Km 8 am Kanal, wo eine Frauen- Kolonie von Strafgefangenen war. Die Beschäftigung der Frauen bestand im Anbau von Tomaten und Tomatenpaprika. Da ich über eine gewisse Erfahrung in dieser Gegend verfügte, hatte ich schon eine Menge Gerüchte über dieses Lager gehört. Man sagte, dort wären alle Prostituierten aus Bukarest vom „Steinernen Kreuz” festgehalten. Außerdem sagte man, daß dort die Tochter von Malaxa und die Prinzessin Ghica gefangen gehalten würden. In diesem Moment war mir klar, daß ich tatsächlich die Möglichkeit besaß, eine leibhaftige Prinzessin zu sehen. Ich mußte bloß in das Lager hinein gehen und die Prinzessin Ghica betrachten. Ich stellte mir die Prinzessin schön und gut vor und obwohl sie ein Sträfling war, müßte sie eine stolze Haltung besitzen und selbst ihren Aufpassern Ehrerbietung einflößen. Um Arbeiten in einem solchen Lager ausführen zu dürfen, brauchte ich eine Genehmigung der Staatssicherheit. Ich machte eine Liste all derer, welche in diesem Lager zu arbeiten hatten und schickte diese Liste an die Kaderabteilung zur benötigten Genehmigung. Gewöhnlich setzte ich mich nicht auf solche Listen, aber diesmal wollte ich unbedingt die Prinzessin und jene vom „Steinernen Kreuz” sehen. Ich setzte mich also an die Spitze der Tabelle. Nach dem Erhalt der Genehmigung fuhr ich, gemeinsam mit einigen Arbeitern, mit einem Lastkraftwagen ZIS mit (jaloane?) und einer 50-Meter-Rolle zum Km 8 am Kanal um die vorgesehenen Leitungen zu ziehen. Die Transformatoren-Station im Inneren des Lagers mußte von der Leitung 35KV Constanta-Cernavoda gespeist werden. Ich suchte nach einem Mast, an den ich anschließen konnte , stellte aber fest, daß ich noch zwei Endmaste ( zur Dehnung, wie es in der Fachsprache heißt), einen Eckmast und noch vier einfache Maste benötigte. Danach mußte ich also die Leitungen markieren und die Plätze für die Maste festlegen. Ich fuhr mit dem Lastkraftwagen bis vor das Lagertor, stieg ab und klopfte an die solide Eisentüre. Es öffnete sich ein rundes Guckloch und durch die dort installierte Linse erschien ein stark vergrößertes Auge. -Wer ist da? Ertönte eine weibliche Stimme. -Wir sind die Techniker, welche Ihnen die Verbindung zur Transformatoren – Station herstellen sollen., antwortete ich. -Warten Sie bis ich die Leitung des Lagers informiere, sagte die unsichtbare Zwischenhändlerin. Nach einer Wartezeit von einer ungefähren Viertelstunde öffnete sich die Türe und es erschienen zwei Frauen in Militäranzügen. Die eine war die große Chefin des Lagers mit Offiziersgrad, die andere die Pförtnerin mit dem Grad eines Unteroffiziers. -Was wünschen Sie? Fragte die große Chefin. -Wir müssen hinein kommen um die genaue Lage der Maste zu markieren ,die ihre Stromzufuhr gewährleisten sollen. Wir haben eine Genehmigung, beeilte ich mich zu sagen und reichte ihr die Liste mit den Ausweisen.. -Warten Sie, ich muß die Bestätigung einholen. Und die Türe wurde uns vor der Nase zugeschlagen. Nach weiteren zehn Minuten kam die Chefin wieder und eröffnete uns, daß an diesem Tag der Eintritt in das Lager nicht gestattet wäre. -Sie haben die Genehmigung morgen um zehn Uhr Morgens zu kommen. Und abermals wurde uns die Türe vor der Nase zugeschlagen. Am nächsten Morgen erreichten wir das Tor des Lagers etwas früher. Genau um zehn Uhr erschien die Chefin. -Zeigen Sie die Liste und die Ausweise, sagte sie. Nach einer gründlichen Kontrolle bekamen wir die Erlaubnis einzutreten. Eine Polizistin begleitete uns. Wir durften nicht von dem von unserer Begleiterin vorgegebenem Weg abweichen. Unzählige Tomatenbeete waren hier angepflanzt worden. Zweimal täglich wurden sie von Hand gegossen. Weil die Strafgefangenen, so viel sie auch immer arbeiten mochten, es nicht schafften, alle Tomaten zu gießen, waren elektrische Pumpen gebracht worden, wodurch auch der Bedarf an der Stromzufuhr zustande kam. Unsere Begleiterin brachte uns zur Transformatoren – Station, welche von unserer Baustelle erstellt worden war. Ich blickte mich um in der Hoffnung die weiblichen Strafgefangenen zu sehen. Obwohl ich, so weit wie ich konnte, die Markierung der Aufstellungsorte der Maste hinauszog, bekamen wir keine Spur der Strafgefangenen zu Gesicht. Nach Beendigung unserer Arbeiten kehrten wir zu unserem Hauptsitz zurück. Ich hatte mir vorgenommen bei den Grabungsarbeiten, dem Aufstellen der Maste, der Montage der Isolatoren und der Leitungsstücke mit dabei zu sein. Diese Arbeiten würden ungefähr eine Woche in Anspruch nehmen, in welcher Zeitspanne ich die Prinzessin bestimmt sehen könnte. Ich erinnerte mich, daß die Transformatoren – Station von unseren Leuten erbaut worden war. Ich rief in der Hauptstelle an und fragte nach, wer diese Station erstellt hätte. Ich erfuhr, daß es ein gewesener Klassenkollege von mir aus Timisoara(Temeswar) gewesen ist, mit dem ich gut Freund war. Er arbeitete jetzt bei der Transformatoran-Station der Zementfabrik in Megidia. Am Abend ging ich zu ihm und wir schwatzten ein bisschen. -Du hast doch im Lager Km 8 am Kanal gearbeitet und weißt wie die Sachen dort laufen. Ich möchte sehr gerne die weiblichen Strafgefangenen sehen, insbesonde die Prinzessin Ghica, von der ich gehört habe, daß sie dort gefangen gehalten wird.. -Du hast nicht die geringste Chance, erklärte er mir. Ich habe dort über einen Monat lang gearbeitet und habe niemanden gesehen. Wenn wir an einer bestimmten Stelle arbeiteten, wurden die Strafgefangenen an das entgegengesetzte Ende gebracht. Da sich das Lager über mehrere Kilometer erstreckt, hast du keine Möglichkeit sie auch nur aus der Ferne zu erblicken. Mir wurde klar, daß eine Begegnung meinerseits mit der Prinzessin nicht möglich war, so daß ich auch gar nicht mehr da hin wollte. Ich war sehr enttäuscht. Es sind viele Jahre seitdem vergangen und ich habe immer noch keine leibhaftige Prinzessin gesehen. Ich mußte mich also mit Prinzessinnen zufrieden geben, welche ich viel später nur im Fernsehen zu Gesicht bekam. Übersetzung aus dem Rumänischen: Gudrun Winkler

Die Party

Die Vereinfachung ist etwas sehr Bequemes für das menschliche Denken. Man sucht nach möglichst kurzen und bündigen Verallgemeinerungen, um diese leicht zu behalten. Das beste Beispiel ist die Charakterisierung der Nationalitäten. So ist der Franzose ein Lebemann, der jederzeit bereit ist seine Frau zu betrügen, der Italiener singt Chansonetten und ißt Makkaroni, der Deutsche ist peinlich genau und trinkt Bier, der Ungar ist hochmütig und der Rumäne ein ziemlicher Dieb. Über die Juden, sagt man, daß sie verschlagen, ängstlich und geschäftstüchtig sind. Unser Studienkollege Samy war ein perfekt widersprüchliches Beispiel zu all diesen Vorurteilen. Erstens war er der Kräftigste von uns allen. Als Rugbi-Spieler trainierte er täglich, hatte er eine überdurchschnittliche physische Kondition und ähnelte einem Bären. In zweiter Linie war er in keiner Weise hinterhältig oder geschäftstüchtig veranlagt, im Gegenteil, er war naiv und fröhlich und wurde wegen seiner offenherzigen Art von allen Kollegen geliebt. Wie man weiß, gibt es an jeder Fakultät extrem schwierige Prüfungen, von uns Studenten „Nägel”, genannt. An der Fakultät für Chemie, wo Samy Student war, war solch ein „Nagel” die Prüfung im Fach Technologie. Ich bin kein Chemiespezialist, aber als ich die Aufzeichnungen der Vorlesungen sah, erschrak ich. Er waren Hunderte von Schemas, die beherrscht und erklärt werden mußten. In der Sommersaison war Samy bei dieser Prüfung durchgefallen. Auch im Herbst bestand er die Prüfung nicht und mußte das Studienjahr wiederholen. Der Beginn eines neuen Studienjahres war immer die schönste Periode der Studentenzeit. Man sah sich nach den Ferien wieder. Alle kamen wir von zu Hause, bepackt mit Essen, Kuchen und anderen Leckereien, vorbereitet von unseren Müttern, die stolz darauf waren, daß ihre Kinder nun Studenten waren. In der ersten und auch zweiten Woche waren wir nur mit fröhlichen Gelagen beschäftigt. Dann begannen aber langsam die Vorlesungen, Seminare, Laboratorien und Projekte und wir hatten keine Zeit mehr für Unterhaltungen. Leider konnte Samy an der allgemeinen Fröhlichkeit nicht teilnehmen. Er fiel auch bei der Nachprüfung wieder im Fach Technologie durch. Zu jener Zeit konnte man ein Studienjahr nicht zweimal wiederholen, so daß Samy exmatrikuliert werden sollte. Nach vielen Interventionen und großen Schwierigkeiten erhielt er die Möglichkeit zu einer letzten Nachprüfung. Wir taten alles erdenklich Mögliche ihm Mut zu machen. Um ihn aus seiner Apathie zu befreien, schlugen wir ihm eine Wette vor. Sollte er die Prüfung bestehen – erklärte er selbst – würde er seinen Kopf in das WC stecken und die Spülung betätigen. Die umgekehrte Variante wurde nicht in Erwägung gezogen. Als ich am Tage, an dem Samy seine Nachprüfung hatte, in das Studentenheim kam, erfuhr ich die große Neuigkeit – Samy hatte bestanden. Ich freute mich so, als hätte ich selbst dieses Examen geschafft. Im Zimmer erwartete mich eine große Party. Der Tisch war vollbepackt mit Braten, Kuchen und anderen guten Sachen aus den Paketen von zu Hause. Samy hatte ein paar Flaschen mit Getränken gekauft, welche es damals in den Lebensmittelläden gab. Da war eine Flasche mit einer grünen Flüssigkeit auf welcher ” Pfefferminz.-Schnaps stand, bekannt unter dem Namen ” Adio Mama”. Dann war noch eine mit Birnen-Schnaps, versehen mit dem volkstümlichen Namen ” Suche mich zwischen den Gräbern” und ähnliches. Die Glückwünsche, Umarmungen und Küsse nahmen kein Ende, während Samy zum zehnten Mal erzählte, wie es gewesen war. Als der Professor mich anschrie und „Ochse” zu mir sagte, da – seht mal – wuchs mir sooo das Herz. Und er zeigte mit beiden Händen wie groß es geworden war. Tatsächlich hatte der Professor im Fach Technologie etwas seltsame Gewohnheiten. Je höflicher er wurde, um so kleiner waren die Chancen die Prüfung zu bestehen. In dem Moment aber, wenn er auf die Ausdrücke Ochse, Esel oder Ähnlichem zurück griff, war die Prüfung gelaufen. Diese Gewohnheit war unter den Studenten bekannt und es war für sie die größte Freude so tituliert zu werden. Im Laufe der Unterhaltung erinnerte sich jemand an die abgeschlossenen Wette. Samy versuchte abzulenken, aber alle stürzten auf ihn ein: – Das geht nicht, abgemacht ist abgemacht, wenn du die Wette nicht einlöst, sprechen wir nicht mehr mit dir und verlassen sofort die Party. Da ihm nichts anderes übrig blieb, sucht er das sauberste WC im Studentenheim, reinigte es mehr als gründlich und desinfiszierte es mit „Adio Mama”. In einer an eine Joga-Stellung erinnernde Haltung steckte er den Kopf in das WC und führte die rechte Hand an die Strippe für die Spülung, um die Bedingungen der Wette einzulösen. Jemand brachte eine Kerze und entzündete sie. Die anderen brannten Papierblätter an. Dann wurde das Licht gelöscht und während Samy die Spülung betätigte, sangen wir die Hymne der Chemiker nach der Melodie eines berühmten Tangos: Ein Fräulein auf der Straße sah ich gestern, Mit Stöckelschuh`n und schrillem Röckchen, Mit langem Haar und leichtem Sinn – Sicher war sie Chemie-Studentin. Übersetzung aus dem Rumänischen: Gudrun Winkler

Mit den Kühen auf der Weide

Mit gutem Grund behauptet man, die Kindheit sei die glücklichste Periode im Leben eines Menschen. Auch ich erinnere mich an wunderschöne Tage imSommer 1942. Ich war 10 Jahre alt, mein Vater war an der Front – irgendwo bei Odessa – während meine Mutter und ich in der Schule einer Gemeinde in Bessarabien wohnten.An jedem Morgen, nachdem wir beide Tee getrunken und eine Scheibe Brot, beschmiert mit „povidia” ( einer Art Marmelade aus Weintrauben) gegessen hatten, ging ich zu einem Nachbarn, welcher einen mir gleichaltrigen Sohn hatte. Dieser Junge, namens Vasile, hatte noch zwei Brüder und zwei Schwestern. Oft war ich bereits da, bevor die Familie gefrühstückt hatte. Dann mußte auch ich mit ihnen essen. Das Frühstück bei dieser Bauernfamilie vollzog sich nach einem richtigen Ritual. Ein runder Tisch von ungefähr einem Meter Durchmesser, ziemlich niedrig und mit drei Beinen, welcher sonst an der Wand stand, wurde in die Mitte des Zimmers gerückt. Dann stellte die Hausfrau eine Tonschüssel in die Mitte des Tisches, in welcher drei bis vier Liter frischgemolkene und abgekochte Milch war. Daneben, auf eine Holzauflage, stülpte sie eine Mamaliga (Maispudding), welche mit einem, speziell zu diesem Zwecke auf der Holzauflage befestigtem Faden, ganz schnell in Stücke geschnitten wurde. Rund um den Tisch saß nun die ganze Familie auf winzigen Holzstühlen.. Auch ich wurde fast wie ein Familienmitglied behandelt und bekam einen Stuhl und einen Holzlöffel. Es wurd still, der Vater bekreuzigte sich und sagte: – Behüte uns Gott! Dann begannen wir zu essen.. In diesem Moment wurde die Kinderschar lebendig. Alle, ein Stück Mamaliga in der linken Hand und den Löffel in der rechten Hand, bestürmten die warme Milch. In der Schüssel bewegten sich die Löffel wie die Ruder eines Schiffes. Das Höhenniveau der Milch in der Schüssel fiel zusehends, pausenlos entleert von acht schöpfenden Löffeln. Ab und zu hörte der kleinste Junge, ungefähr drei Jahre alt, auf zu essen und blies in seinen Löffel, was ein gurgelndes Geräusch erzeugte. Der Vater hielt ein, blickte ihn an und ohne ein Wort zu sagen, schlug er ihm mit dem Löffel leicht auf den Kopf. Das Kind guckte verdutzt und begann dann brav weiter zu essen. Nachdem die Milch alle war, wickelte die Hausfrau die übriggebliebene Mamaliga, falls überhaupt noch etwas übrig war, in ein Handtuch und nahm die Schüssel und die Holzunterlage und tat sie an ihren gewohnten Ort. Bevor der Tisch wieder an seinen Platz gestellt wurde, sammelte sie die Krümel in den Schoß und gab sie den Hühnern. Dann wurden die Aufgaben verteilt. In den Bauernhaushalten hat jeder etwas zu tun. Die Mädchen blieben mit der Mutter zu Hause. Der große Junge begleitete den Vater auf dem Fuhrwagen. Der Kleinste mußte die Gänse hüten. Er war sehr stolz auf diese ihm übertragene Aufgabe. Eigentlich gingen die Gänse ganz alleine zu einem einige hundert Meter vom Haus entfernten Tümpel. Dort traf sich der Kleine mit anderen Kindern seines Alters und sie spielten den ganzen Tag, während die Gänse sich um ihre Belange kümmerten. Natürlich ging ich mit Vasile mit den Kühen auf die Weide, eigentlich waren es ja eine Kuh und ein Kalb. Der Ort wo sie weideten, befand sich auf einem Plateau, einige Kilometer vom Dorf entfernt. Auf diesem Plateau hatten die Russen einen Militärflughafen errichtet. In der Nacht des 22. Juni 1941 hatten die Deutschen diesen Flughafen heftig bombardiert und die stationierten Flugzeuge zerstört. Nur zwei der russischen Piloten konnten starten, wurden aber von den deutschen Jagdfliegern abgeschossen. Dann ging die Front weiter und der Flughafen blieb verlassen. Die Bauern hatten sich alles geholt, was ihnen irgendwie von Nutzen sein konnte. Als wir mit den Kühen hin gingen, gab es nur noch einige Baracken und eine Menge auf dem Feld verteilter Fliegerbomben. Diese Bomben waren ursprünglich in Holzkisten gestapelt. Aber die Bauern hatten die Holzkisten mitgenommen und die Bomben, mit denen sie nichts anfangen konnten, da gelassen. Mit mir und meinem Freund kamen noch weitere Kinder gleichen Alters mit ihren Kühen hierher. Nachdem wir „la bataie” in einer vereinfachten Form – ein in Bessarabien übliches Spiel, welches sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen zu Feiertagen gespielt wurde- gespielt hatten, begannen wir etwas Neues. Wir brachten die Kühe zweihundert bis dreihundert Meter weiter weg und sammelten Stroh, Reisig, alte Bretter und machten einen Scheiterhaufen. Mit vereinten Kräften und großer Anstrengung schleppten wir eine Bombe herbei legten sie darauf. Der Scheiterhaufen wurde angezündet und wir setzten uns in einen etwas weiter entfernten Graben. Zusammengekauert warteten wir atemlos auf die Explosion. Die Wartezeit war recht lang. Während dieser Zeit erzählten wir uns schaurige und immer schaurigere Geschichten. Jetzt erfolgte die Explosion! Ein schrecklicher Knall , gefolgt vom Zischen der Splitter. Große rauchende Steine flogen überall umher. Wir, in unserem Graben, waren geschützt. Dann verbreitete sich eine unwirkliche Stille. Als wir unsere Verblüffung überwunden hatten, rannten wir schreiend zum Ort der Detonation. Es stellte sich uns ein Krater dar, aus welchem Dampf herauskam. Am meisten freuten wir uns, wenn aus dem Grund des Kraters Wasser hervortrat. Erst zeigte sich ein wenig Feuchtigkeit, dann kamen langsam die ersten Wassertropfen, bis sich eine Lache von etwa zwei Handbreiten Höhe ergab. Das Interessanteste war, daß uns die Explosionen jedesmal überraschten. Wenn wir den Scheiterhaufen angezündet hatten, warteten wir ein paar Minuten und begannen dann unsere Schauergeschichten , wobei wir auf die Bombe vergaßen. Einmal aber verloren wir die Geduld und wollten wissen, was da geschieht. Wir sahen eine Spektakel, welche sich nur wenige Menschen vorstellen können. Stellen Sie sich eine Fliegerbombe vor, welche durch die Hitze ihre Farbe verändert und rot wird. Unsere Bombe hatte die Farbe eines Hufeisens, welches gerade aus dem Schmiedefeuer kommt. Wir versteckten uns schnell und nach einigen Minuten erscholl die Explosion. Nun waren wir nicht mehr auf das Spektakel vor der Explosion neugierig. Danach kommentierten wir noch einmal mit aufgeregten Gesichtern das schaurige Ereignis.Die Kühe wurden eingesammelt und jeder ging zu sich nach Hause. Die nächsten Tage ereigneten sich in ähnlicher Weise. Leider haben alle schönen Dinge einmal ein Ende. Zu unserem größten Ärger war der Vorrat an Bomben irgendwann zu Ende. Wie das Sprichwort sagt:” Wo man nur holt und nichts zurück gibt, endet es..” Und auch wir hatten nicht mehr woher was zu holen. Nachdem die Bomben zu Ende waren, gingen wir auch die Kühe nicht mehr weiden. Es machte einfach keinen Spaß mehr –

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